Das schönste Gefühl der Welt ist für Victoria Frost aka Beyond Reason, wenn Intuition, Komposition und genau der richtige Moment in einem Kameraklick zusammenkommen. Die Britin aus Yorkshire hat in Leeds Kunst studiert und lebt und arbeitet inzwischen in Berlin als Grafikdesignerin - wenn sie nicht gerade fotografiert.

Was trinkst du am liebsten zur Happy Hour? 
Ganz klar Amaretto Sour. Süß, aber eben auch immer so schön sauer. 

Du kommst urpsrünglich aus Yorkshire und lebst jetzt in Berlin. Wie haben dich diese beiden Städte als Künstlerin beeinflusst? 
Ich glaube, das haben sie gar nicht wirklich. Der Umstand hat mir lediglich mehr Möglichkeiten zum Reisen gegeben. Das Unterwegssein hat einen stärkeren Einfluss auf mich.

Du hast in mehreren Studios gearbeitet. Wie war das und wann hast du entschieden, nicht länger dort zu arbeiten? 
Als ich anfing, Kunst zu studieren, waren wir Studenten gewissermaßen gezwungen, eine Nische für uns zu finden. Die Arbeit in einem Studio ist nicht so richtig meins, aber während des Studiums war es gut, eine feste Basis zu haben, zu der man immer wieder zurückkehren konnte. Ich mag es, meine Bilder oder auch Ausrisse aus Magazinen zusammen mit anderen Inspirationen an einer Wand aufzuhängen, um eine Verbindung zwischen ihnen zu finden. Dafür war ein Studio genau richtig.

Ich liebe meine Kamera so sehr, weil sie mir die Möglichkeit gibt, kreativ zu sein, während ich unterwegs bin. Das passt zu meinem Lebensstil. Ich bin immer irgendwie auf dem Sprung, hauptsächlich auch deshalb, weil meine Familie in alle Winde verstreut lebt. Egal, wo ich bin: Mit meiner Kamera an meiner Seite genieße ich die Freiheit der Inspiration, die mir ein bestimmter Ort für eine gewisse Zeit oder auch nur einen kurzen Moment schenkt. Lange Zeit habe ich mich mit einem fixen Arbeitsplatz selbst eher eingeschränkt.

 

Du lebst zwar in der Stadt, aber deine Motive sind sehr naturbezogen. Beschreib uns deine Beziehung zur Natur. 
Dahinter verbirgt sich gar keine bewusste Absicht, das passiert einfach so. Ich komme ja aus Yorkshire, also vom Land. Dadurch war ich einfach schon immer von Natur umgeben. Vielleicht ist es aber auch so, dass ich durchaus gezielt nach meinen Motiven suche, mir nur nicht darüber im Klaren bin, dass mein Bewusstsein dafür verantwortlich ist.

Erzähl uns doch ein bisschen mehr über deine Reise, die dich über Kunst und Grafikdesign zur Fotografie geführt hat. 
Ich liebe es, Dinge auszukundschaften; für gewöhnlich sind es zwei Bereiche, die in starkem Kontrast zueinander stehen. Das sieht man auch meinen Fotos an: Oben und unten, schwarz und weiß, Leben und Tod. Installationen haben ihren Ursprung oft in Fotografien oder Filmen. Wenn ich ein Foto machen will, dann wird daraus ein Film und wenn ich einen Film machen möchte, wird daraus ein Foto. Komisch, aber so ist es.

Ich sehe meine Arbeit nie als beendet an, daher arbeite ich auch nicht mit einem einzigen Medium. Ich mag es einfach nicht, mich einzuschränken.

Welche Rolle spielt das Reisen in deiner Fotografie?   Alle meine Aufnahmen sind irgendwie in Bewegung. Ich denke, das ist so, weil ich selbst oft hier und da bin, nie an einem Ort geblieben bin. Letztes Jahr zum Beispiel war ich auf Weltreise. Da ist es einfach naheliegend, dass sich das Reisen auch in meiner Kreativität widerspiegelt. Es geht dabei gar nicht um einen bestimmten Ort, eher darum, was mich in diesem einen Moment inspiriert hat. Möglicherweise schlendere ich gerade eine Straße entlang und plötzlich löst etwas eine Reaktion in meinem Kopf aus. Es ist, als würde in meinem Gehirn plötzlich der Play-Knopf gedrückt.

Welche Kamera benutzt du und welches Bearbeitungsprogramm ist dein liebstes?   Meine Kamera ist eine Canon 600. Ich versuche, meine Bilder überhaupt nicht zu bearbeiten. Manchmal gleiche in eine Farbe an, die etwas aus der Spur geraten ist, aber das ist wenn überhaupt auch alles.

Dein Künstlername ist ‘Beyond Reason’ - wie kamst du dazu?
Ich versuche stets, über das hinaus zu gehen, wozu ich imstande bin oder auch darüber, was ich fotografiere. Ich verbinde sozusagen kleine Punkte zwischen einzelnen Themen, um mich selbst besser zu verstehen.

Außerdem besteht eine Verbindung dazu, was außerhalb des Rahmens passiert. Ich habe erst im Nachhinein festgestellt, dass die meisten meiner Arbeiten, die ich zuhause ausgestellt habe, über das rein Elementare von Foto an Wand hinausgingen und damit buchstäblich “den Rahmen sprengten”. Es ging plötzlich mehr um die Geschichte drumherum oder um die Entstehung des Fotos.

Schwarz oder weiß?
Bei JUNIQE sind momentan nur Schwarz-Weiß-Aufnahmen von mir zu haben, aber ich bin eigentlich eine sehr farbenfrohe Person. Ich kann mich nicht entscheiden; es braucht beide zusammen, da gibt es kein Dazwischen. Ohne das eine oder das andere gäbe es keine Kontraste.

Danke, Vicky.

 
 
 
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