Die Fotografin Cordula Schäfer wurde in Bremen geboren. Heute lebt und arbeitet sie in Berlin. Wir durften einen Blick in ihr Zuhause und durch ihre Linse werfen und haben einen gemeinsamen Ausflug in den botanischen Garten gemacht.

Viele deiner Arbeiten zeigen New York City. Was fasziniert dich an dieser Stadt so sehr?

In meinen Augen hat New York City eine einzigartige Dynamik, die es fast unmöglich macht, einfach still zu sitzen. Schönheit liegt natürlich im Auge des Betrachters - mir ist völlig bewusst, dass die Stadt total überfüllt, laut und dreckig ist - aber dann wiederum finde ich, dass Dinge oder Orte nicht immer unbedingt schön sein müssen, um interessant zu wirken.

Außerdem scheinen viele Menschen angetrieben zu sein von der Idee: “If you can make it here, you can make it anywhere” und versuchen in diesem Sinne sich selbst und ihre Träume zu verwirklichen. Zu beobachten, wie Ideen entstehen und Visionen umgesetzt werden - das ist etwas, was ich persönlich wahnsinnig inspirierend finde. Diese kreative Atmosphäre in Kombination mit der unbegrenzten Anzahl von Eindrücken ist einfach perfekt für mich.

Gibt es einen bestimmten Künstler, Musiker oder eine andere Person, die dich in deinem Schaffen beeinflusst?

Meine Inspiration hat viele Quellen. Deswegen fällt es mir schwer, hier nur einen Namen zu nennen. Obwohl ich selber meistens in Farbe fotografiere, würde ich sagen, dass mich klassische Schwarzweißfotografien sehr beeinflussen. Sie bauen ausschließlich auf den Effekt von Licht und Schatten auf und sind damit wirklich lehrreich hinsichtlich Komposition und Bildeinstellung.

Schaut man sich beispielsweise Stadtbilder an, sind “Sao Paulo” von Rene Burri oder die New York-Serie von Andreas Fenninger gute Vorbilder für mich. Und dann gibt es natürlich noch die großen Stars wie Henri Cartier-Bresson oder Ansel Adams, deren Arbeit ich total bewundere.

 

Wie recherchierst du für deine Arbeiten? Gehst du zu bestimmten, von vornherein festgelegten Orten oder nimmst du einfach deine Kamera mit und entscheidest spontan, was du fotografieren möchtest?

Wie viel Recherche ich tatsächlich betreibe, hängt meistens davon ab, wohin ich gehe bzw. wie viel Zeit ich an einem Aufnahmeort verbringen kann. An Wochenenden oder im Urlaub liebe ich es, einfach loszuziehen und auf Entdeckungsreise zu gehen. Wenn man so will, dann sind die Bilder, die dabei entstehen, eigentlich die ehrlichsten, weil der Geist nicht von anderen, vorher schon bekannten Motiven beeinflusst ist.

Wenn meine Zeit jedoch eher begrenzt ist und ich z.B. eine bestimmte Perspektive auf ein Gebäudeeinfangen will, muss ich vorher defintiv etwas Recherche betreiben. Hausdächer zum Beispiel sind häufig nur zu bestimmten Zeiten oder unter besonderen Umständen zugänglich, Außenanlagen manchmal nur über etwaige Umwege zu erreichen. Das gleiche gilt natürlich für Sonnenauf- und -untergänge: Sich im Vorfeld über die Zeiten zu informieren ist unumgänglich, um zum richtigen Zeitpunkt vor Ort sein zu können.

Was ist dein eigentlicher beruflicher Hintergrund? Hast du Kunst studiert und welche Jobs hattest du schon abgesehen vom Fotografieren?

Privat hatte ich schon immer eine besondere Vorliebe für die Fotografie. Meine Eltern sind in ihrer Freizeit beide passionierte Fotografen, dementsprechend bin ich sozusagen mit der Kamera und eindrucksvollen Bildbänden zu Hause aufgewachsen. Das hatte logischerweise auch Einfluss auf meine Zwillingsschwester, die mit einer ihrer Arbeiten sogar schon mal einen großen Fotografiewettbewerb gewonnen hat.

Mein professioneller Hintergrund ist eigentlich Mediendesign. Früher war ich im Agenturumfeld tätig, bevor ich dann tatsächlich Kunst, Medien und Geschichte studiert habe. Ich hatte mich auch an der Kunsthochschule beworben, wurde dort aber abgelehnt, weil ihnen meine Arbeiten nicht progressiv genug waren. Nichtsdestotrotz habe ich auch neben meinen Jobs in der Unternehmenskommunikation weiterhin als freiberufliche Fotografin und Designerin gearbeitet.

Was machst du am liebsten wenn du nicht arbeitest? Fühlt sich die Fotografie für dich wie ein Job an?

Momentan arbeite ich in der Luftfahrtindustrie. Das unterscheidet sich natürlich sehr von dem, womit ich mich in meiner Freizeit beschäftige und bin dementsprechend über den kreativen Ausgleich meiner Nebenbeschäftigung sehr froh. Bisher hat sich die Fotografie für mich jedenfalls noch nie wie eine anstrengende Arbeit angefühlt, sondern ganz im Gegenteil - ich genieße es einfach nur.

Hast du ein Traumprojekt?

Ich habe tatsächlich erst kürzlich mit einer Freundin über eine Zusammenarbeit für ein Buchprojekt gesprochen. Sie ist Grafikdesignerin und wir haben mit der Idee gespielt, ein individualisierbares Notizbuch zu erstellen, welches beide unsere kreativen Arbeiten miteinander verbindet. Abgesehen davon würde ich wahnsinnig gerne einmal eine richtige Dokumentation oder ein Portrait schreiben und filmen, vielleicht über einen bestimmten Ort oder eine lange Reise irgendwo auf dieser Welt.

Danke, Cordula!

 
 
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