Die Poesie der Beobachtung: Ein Ausflug in LEEMOS kreative Welt Die Poesie der Beobachtung: Ein Ausflug in LEEMOS kreative Welt

Faszinierende Einblicke in das Zuhause, die Arbeit und den kreativen Geist der beliebten JUNIQE-Künstlerin

Faszinierende Einblicke in das Zuhause, die Arbeit und den kreativen Geist der beliebten JUNIQE-Künstlerin

Als wir an jenem Dienstagmorgen die Treppen des Berliner Altbauhauses hinaufsteigen, bewaffnet mit Kamera, Stativ, Notizblock und einer großen Portion Neugier (und natürlich Masken und Negativtests) ahnen wir noch nicht, dass es uns nur wenige Augenblicke später fast ein wenig die Sprache verschlagen wird. Yep, wir sind hin und weg – von diesem Traum einer Wohnung, der Einrichtung – und vor allem: Von Djaheda.

Djaheda, oder LEEMO, wie sie unter ihrem Künstlernamen bekannt ist, hat uns zu sich nach Hause eingeladen. Sie gewährt uns Einblicke in ihr neues Domizil inkl. Studio, ihre Schaffensprozesse, ihre Quellen der Inspiration. Sprich: Ihr kreatives Leben.


Wir starten im Wohnzimmer, das, wie der Rest der Wohnung, über wahnsinnig hohe Decken und einen wunderschönen Dielenboden verfügt. Stilvolles Interior, durchdacht, minimalistisch, ohne dabei kühl zu wirken. Wir nehmen auf der hellbraunen Ledercouch Platz und lernen uns kennen...

Schon als Kind entdeckte Djaheda, die in Bochum geboren ist, das Malen für sich. Seitdem hat sie nie wieder aufgehört. Wie ein roter Faden zieht sich jene Leidenschaft und kreative Ader durch die gesamte Schulzeit hindurch. Als es nach ihrem Abschluss um die Frage ging, was sie beruflich machen möchte, sollte es schon etwas “Solides” sein. “Deshalb habe ich dann erstmal Kommunikationsdesign studiert und in verschiedenen Agenturen gearbeitet”, erklärt sie.

Einen typischen Arbeitstag gibt es für sie allerdings auch nach Jahren als freischaffende Künstlerin und Illustratorin nicht. “Eigentlich arbeite ich permanent. Ich habe immer alles bereitstehen, so dass ich direkt loslegen und jeden freien, kreativen Moment ausnutzen kann. Manchmal probiere ich auch 15 Minuten etwas aus und komme erst später darauf zurück. Es kommt oft vor, dass ich angefangene Bilder nach einiger Zeit in der Schublade wieder entdecke. Im besten Fall denke ich dann “Wow, ziemlich cool” und freue mich, es wieder zu verwenden. So lasse ich meine Design nach und nach entstehen.

Es wird schnell deutlich, wie sehr das Mamasein Djahedas Arbeitsalltag verändert. Doch welchen Einfluss hatte die neue Rolle auf LEEMO, also auf Djaheda als Künstlerin, will ich wissen. “Die Veränderung war krass”, entgegnet sie. “Natürlich habe ich weniger Zeit, aber: Je weniger Zeit ich habe, desto weniger Zeit hat auch mein innerer Kritiker. Seit mein Sohn auf der Welt ist, bin nicht nur als Künstlerin, sondern auch als Mensch spontaner geworden. Ich lebe mehr im Moment, bin spielerischer und weniger kritisch mir selbst gegenüber. Außerdem fällt es mir leichter, die Dinge, die ich tue, so anzunehmen, wie sie sind, ohne sie zu hinterfragen. Ich fühle mich insgesamt einfach freier.”

Die größte Herausforderung, mit der sich Djaheda als Künstlerin indes konfrontiert sieht? “Social Media. Weißt du”, erklärt sie mir, “ich komme noch aus einer Generation, in der es hieß, wenn man nur hart genug arbeite, komme der Erfolg schon. Mittlerweile hat sich das geändert, man muss über seine Arbeit sprechen, sie zeigen und bewerben. Ehrlich gesagt arbeite ich gerne und am besten im Verborgenen. Das ist ja auch so ein bisschen der Grund, warum ich Kunst mache: Weil sie mir erlaubt, abzutauchen und in meiner eigenen Welt zu sein. Das alles nach Außen zu kehren – das fällt mir manchmal ein bisschen schwer.“

Bei der Frage nach der einen Sache, die ihr als Künstlerin am meisten Freude bereitet, hellt sich Djahedas Miene schlagartig auf. “Alles!” sagt sie, und strahlt. “Es ist die Art und Weise, durch die Welt zu gehen, immer auf der Suche nach visuellen Queues zu sein.” Das Strahlen in ihrem Gesicht bleibt – und steckt an. “Manchmal liege ich im Bett und plötzlich überfällt mich eine Idee, für die ich dann so Feuer und Flamme bin, dass ich es kaum abwarten kann, sie umzusetzen. Ich liebe es, Dinge auszuprobieren und zu beobachten.” Sie hält kurz inne. “Ja, das ist tatsächlich das Stichwort: Beobachten. Ich glaube, Dinge zu beobachten und allem mit einem offenen Blick zu begegnen, das ist eine der Kerntätigkeiten, wenn man kreativ oder künstlerisch arbeitet.

Wir sprechen über ihr traumhaftes Zuhause und ihr Studio, welches sie sich mit ihrem Mann Deniz teilt. An der Wand hängen mehrere wunderschöne Skizzen, die sofort ins Auge springen, nicht nur weil sie so gut zueinander, sondern farblich ebenfalls perfekt zu ihrem blauen Leinenkleid passen. Wenn das die visuellen Hinweise sind, von denen Djaheda spricht, dann ist ihr Studio voll davon. Mich interessiert, wie sehr ihre unmittelbare Umgebung ihr künstlerisches Schaffen beeinflusst, und ob es bei ihr zu Hause Elemente gibt, von denen sie sich besonders inspiriert fühlt. Djaheda überlegt nicht lange. “Licht ist für mich das allerwichtigste. Durch den 4. Stock bleibt unsere Wohnung den ganzen Tag lichtdurchflutet. Dafür bin ich unendlich dankbar – auch wenn der Anstieg manchmal anstrengend ist”, sagt sie, und lacht.

Lebhaft beschreibt sie weiter, wie sich in der Küche durch die Bäume manchmal tolle Lichtspiele beobachten lassen. Oder wie neulich durch die Rollos vor den Schlafzimmerfenstern die Sonne so raffiniert gefallen ist, dass durch das Licht Prismen an der Decke hat entsanden sind. “All diese Dinge beobachte ich unheimlich gerne, weil sie mich immer wieder aufs Neue inspirieren...“

Doch nicht nur Elemente des Lebens, auch Menschen dienen Djaheda als Inspirationsquelle. “Im Augenblick stehe ich total auf die Papierstudien von Claire Oswalt. Außerdem liebe ich das Zusammenspiel von Farbe und Textur bei Heather Day. Und Lourdes Sanchez macht die tollsten Aquarelle!“ Auch die JUNIQE Artist Community bleibt nicht unerwähnt: “Ich mag Iris Lehnhardts Arbeiten sehr gerne, bin ein riesen Fan von Mareike Böhmer und den Body of Work, den sie geschaffen hat. All ihre Arbeiten passen so wahnsinnig gut zusammen und lassen sich beliebig kombinieren. Auch die grafischen Arbeiten von typealive oder die botanischen Aquarelle von Leigh Viner gefallen mir total. Diese bestimmte Stimmung und Essenz, die vermittelt wird – darum geht es.”

Und last but not least: Djahedas Sohn. Sie steht auf und holt ein Büchlein mit Skizzen, allesamt kleine Kunstwerke, allesamt von Mika. “Ich bewundere seinen Mut beim Malen. Von ihm schaue ich mir sehr viel ab.”

Es scheint, als könne Djaheda sich von so vielen Dingen und Menschen mitreißen, begeistern und inspirieren lassen. Durch ihren offenen Blick löst vieles um sie herum etwas in ihr aus. Eine ähnliche Wirkung wünscht sie sich von ihren eigenen Arbeiten: “In erster Linie möchte ich natürlich, dass meine Kunst etwas mit den Betrachtenden macht und im besten Falle ein positives Erlebnis darstellt. Mein Traum ist, dass meine Arbeiten irgendwann als eine Art Aufhänger fungieren. Für Gespräche, Begegnungen und Austausch. Dass jemand einen Raum betritt, mein Design an der Wand entdeckt und dann auf natürliche Weise ein Dialog mit gemeinsamem Nenner entsteht. Das ist ein unheimlich schöner Gedanke für mich."

Vielen Dank für den schönen Vormittag und das tolle Interview, liebe LEEMO! Und falls du dir noch mehr Einblicke in LEEMOS Arbeit wünschst: Entdecke all ihre abstrakten, tiefgründigen und facettenreichen Designs.

Text: Eva Klann

Übersetzung: Caitlin Hughes


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