Die Berliner Künstlerin Pixie Cold wuchs in einem äußerst kreativen Umfeld auf. Als Teenager nahm ihr Leben eine unerwartete Wendung – Pixie lebte eine Zeit lang auf der Straße. Die Kunst half ihr jedoch, dieses Kapitel ihres Leben hinter sich zu lassen und ihren Weg mit Freude und Dankbarkeit fortzusetzen. Wir haben uns mit der natur- und farbverliebten Künstlerin über das Erlangen wertvoller Erkenntnisse und die mysteriöse Regenbogen-Renaissance des 21. Jahrhunderts unterhalten.

Was trinkst du am liebsten zur Happy Hour?

Am liebsten trinke ich alkoholfreien Mojito. Ich liebe den Mix aus Limette und Minze. Außerdem bin ich nicht so ein Fan von zu süßen Sachen.

 

Du bist Berlinerin mit Haut und Haar. Welche Orte in der Stadt haben für dich eine besondere Bedeutung?

Ich bin sogar gebürtige Berlinerin. Hab mir sagen lassen, wir sind am Aussterben :) Eigentlich mag ich alles an und in Berlin, aber am meisten zieht es mich in die schöne Natur und in die Parks hier. Da ich genau gegenüber vom Plänterwald wohne, kann man mich da ziemlich oft treffen. Manchmal nehme ich auch mein Skizzenbuch mit und zeichne draußen auf einer Decke...Hach, es gibt nichts Schöneres!

Du kommst aus einer Familie, in der Kunst immer eine Rolle spielte und hattest schon als Kind Spaß daran, kreativ zu sein. Wolltest du schon Künstlerin werden als du klein warst oder gab es da einen anderen Traumberuf?

Ich muss wirklich sagen, dass ich ohne meine Mutter nie so kreativ geworden wäre! Sie hat uns Kindern schon Blätter und Stifte auf den Tisch gelegt, da konnten wir noch nicht mal sprechen. Es war ihr einfach wichtig, dass wir uns ausprobieren konnten. Geahnt, dass ich und mein Bruder mal erfolgreiche Künstler werden würden, hat sie damals nicht (aber natürlich hat sie sich sehr gefreut, dass ihre Samen Früchte tragen).

Schon meine Großeltern haben gemalt. Ich denke schon, dass wir da etwas mit in die Wiege gelegt bekommen haben. Alle meine fünf Geschwister spielen ein Instrument, die meisten haben es sich selbst beigebracht. Ich hab es leider versäumt, was ich manchmal bereue. Aber neben der Malerei hätte ich jetzt auch keine Zeit mehr, noch ein Instrument zu spielen.

 

Du hast eine Zeit lang auf der Straße gelebt und u.a. gegen politische Missstände rebelliert. Wie kam es dazu und wie blickst du heute auf diese Phase deines Lebens?

Eigentlich war das eher ein Rebellieren im jugendlichen Wahnsinn. Ich weiß nicht, was mich da getrieben hat in meiner Pupertät, aber ich musste mich wohl erst befreien, bevor ich wirklich verstanden habe, was Freiheit bedeutet. Leider sind auch viele schlimme Dinge auf der Straße passiert, aber jetzt bin ich froh darüber, weil es für mich den Anstoß gab, etwas aus meinem Leben zu machen und mich selbst zu finden. Manchmal muss man dunkle Zeiten durchleben, um danach die lichtdurchfluteten erkennen und schätzen zu können. Ich bin sehr zufrieden mit meinem jetzigen Leben und damit, damals die Kurve bekommen zu haben.

 

Inwiefern hat dich die Zeit auf der Straße verändert, was hat dich geprägt?

Ich habe ganz einfache Dinge zu schätzen gelernt, zum Beispiel eine saubere Toilette, Toastbrot oder Zahncreme. Ich habe gelernt, dass wahre Freiheit darin besteht, selbst für sein Essen aufkommen zu können und nicht danach fragen zu müssen. Es hat mich auch gelehrt, hinter Fassaden zu gucken. Ich habe sehr viele wunderbare Menschen kennengelernt, die nichts hatten und doch alles teilten. Es ist verrückt, was für Schicksale dort um ihr Leben kämpfen und wie viele gerade junge Menschen damit allein gelassen werden. Ich hoffe, dass ich mich später dafür engagieren kann, jenen zu helfen, die von der Straße weg wollen. Wer weiß, wieviele Künstler vielleicht unter ihnen sind?

Du verwendest gerne leuchtende Farben, dennoch haben deine Arbeiten auch etwas Tiefgründig-Mysteriöses. Wie würdest du deinen Stil beschreiben?

Oh, ich habe mich nie mit den verschiedenen Stilen in der Kunstgeschichte beschäftigt. Nennen wir ihn doch mysteriöse Regenbogen-Renaissance des 21. Jahrhunderts.

 

Wer oder was inspiriert dich und warum?

Die Natur liefert wahnsinnig viel inspirierende Vorlagen, aber ich muss auch gestehen, dass mich viele zeitgenössische Künstler inspirieren. Ich schaue mir häufig andere Kunst an und versuche, ihre Technik zu verstehen. Das kann manchmal bis zu drei bis vier Stunden am Tag in Anspruch nehmen (Instagram sei dank ;) ).

 

Beschreibe uns deinen kreativen Prozess einmal etwas genauer. Wie gehst du an ein neues Werk heran?

Es ist ganz einfach: Idee, Skizze, Outlines und Ausmalen. Und immer, wenn ich fertig bin, habe ich doch was anderes gemalt, als ich vor hatte :) Ich ändere ein Bild manchmal einige Male im Prozess. Ich denke darüber nicht nach, es passiert einfach und das ich genau das, was ich am Malen so liebe.

Während die einzelnen Schichten trocknen, spiele ich auf meinem Handy random App-Spiele und trinke Kaffee. Hach, ich liebe dieses Leben und ich glaube in jedem anderen Beruf wäre ich vollkommen unfähig. Ich mag es ruhig und gelassen; ich bin nicht der Typ, der Stress inspirierend findet. Musik ist mir auch extrem wichtig – kein Tag ohne meine Lieblingschannel auf Youtube!

Wovon träumst du oder welchen Wunsch würdest du dir gerne erfüllen?

Ich hätte gerne irgendwann eine kleine Finca in Spanien an einem Olivenhain mit Blick auf einen See. Das wäre mein absoluter Wunsch. Klingt ziemlich kitschig, aber watt wär das Leben ohne Kitsch.

 

Tiere oder Menschen?

Tiere...Menschen sind so unberechenbar. Aber manche Menschen mag ich auch sehr. Also doch unentschieden ;)

 

Danke, Pixie!

 
 
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